Frankreich verabschiedet neues Gesetz für Lebensmittelabfälle
Erstellt am 9. Mai 2016 in Neues aus Wissenschaft und Industrie
Anfang Februar diesen Jahres hat Frankreich ein neues Gesetz für den Lebensmittel-Einzelhandel verabschiedet. Es regelt, dass Supermärkte unverkaufte, noch essbare Waren billiger abzugeben haben und Abnahmeverträge mit gemeinnützigen Organisationen für die dann verbliebenen, verzehrgeeigneten Lebensmittel eingehen müssen. Da die neue Regelung alle französischen Supermärkte mit einer Fläche von über 400 m² betrifft, führt die Einhaltung des Gesetzes für diese nicht zu einem Wettbewerbs-Nachteil.
Trotz des neuen Gesetzes in Frankreich werden viele Lebensmitteln bereits entsorgt, bevor sie überhaupt in den Geschäften landen. Auch in anderen Ländern Europas liegt das oft daran, dass die Produkte nicht einer bestimmten Größe entsprechen oder zu krumm sind um in eine Gurkenkiste zu passen. Um dem großen Unfug entgegenzuwirken hat der französische Supermarkt Intermarché vor rund zwei Jahren die Initiative “Légumes et fruits moche” ins Leben gerufen. Er bot “hässliches” Obst und Gemüse an, das nicht der Norm entspricht, und sonst einfach entsorgt worden wäre. Die ungewöhnlichen Naturprodukte werden einfach 30 % günstiger angeboten und sind bei unseren frankophonen Nachbarn der Renner.
Lebensmittelverluste in Deutschland
Laut einer Studie des WWF sind die weggeworfenen, guten Lebensmittel in den Geschäften sowie das nach der Ernte durchgefallene Obst und Gemüse nicht die einzigen Mengen, die in Deutschland anfallen und durchaus vermeidbar wären. Die ermittelten Daten von WWF zeigen, dass fast 40 % aller weg geworfenen Lebensmittel beim Endverbraucher entstehen! Das sind wir, die Verzehrer der Lebensmittel.

Zu gut für die Tonne
In Deutschland wird schon seit ein paar Jahren die Initiative “Zu gut für die Tonne” betrieben. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat sich dabei besonders zum Ziel gesetzt, die Abfallmenge in den Haushalten zu reduzieren. Zum Beispiel durch die Website oder mittels vieler anderer Initiativen soll der Verbraucher geschult werden, wie Lebensmittel richtig gelagert und Reste in der Küche weiter verarbeitet werden können um Küchenabfälle von durchaus essbaren Lebensmitteln zu vermeiden.
Dem deutschen Bundesernährungsminister Christian Schmidt ist sein Ziel, die Lebensmittelabfälle bis 2030 zu halbieren so wichtig, dass er einen Bundespreis für Engagement gegen Lebensmittelverschwendung ausschreiben ließ. In einer Pressemitteilung sagte er dazu, dass es darum gehe, “gute Ideen auszuzeichnen und mehr Verantwortungsbewusstsein in der gesamten Gesellschaft zu schaffen”. Unzählige innovative Ideen und Strategien wurden für den Bundespreis eingeschickt. Ein gutes Anzeichen dafür, dass die Deutschen aufmerksam und aktiv dem großen Wegwerfen entgegenwirken wollen.
Einige Gewinner des diesjährigen Bundespreises waren übrigens Plattformen wie “food sharing” und die Berliner Initiative “ugly fruits”, die schon so einiges bewegen konnten.
Wie kann ich Lebensmittelabfälle im Haushalt vermeiden?
Als ich letzte Woche Salzkartoffeln geschält habe ist natürlich eine Menge Bio-Müll angefallen. Die Pellkartoffeln für den Kartoffelsalat am Wochenende waren da schon ein bisschen sparsamer. Um diesen Abfall soll es aber hier nur in zweiter Linie gehen, wichtiger ist es, die Vermeidbaren zu reduzieren, nicht die bei der Zubereitung von frischen Lebensmitteln ohnehin anfallenden unvermeidbaren Abfälle. Der Salat zum Beispiel, der im Kühlschrank matschig geworden ist, weil ihn niemand essen wollte. Oder das Brot, das schon etwas trocken geworden ist. Oder auch das, was man sich auf den Teller gehäuft hat und dann doch nicht mehr essen wollte.
Bestimmte Strategien können bei der Reduzierung von Lebensmittelabfällen helfen. Das führen einer Einkaufsliste zum Beispiel. Dadurch werden weniger Dinge aus Impuls gekauft, die man eigentlich nicht braucht und im Kühlschrank dann vergammeln. Das Aufstellen eines Menüplans für die Woche kann mit dem Einkaufszettel Hand in Hand gehen. Auch die Fähigkeit, wie ich den Reis von gestern auch heute nochmal lecker in ein frisches Menü verwandeln kann, hilft enorm. Selbst sich vorzunehmen, den Teller weniger voll zu machen ist schon ein Stück in die richtige Richtung. Oder beim Kartoffelschälen einen Spar-Schälet zu nutzen.
Die Hausaufgabe
Der ein oder andere hat sich vielleicht schonmal darüber echauffiert, dass Lebensmittel immer teurer werden. Wenn man allerdings in Betracht zieht, dass der Verbraucher quasi fast für die doppelte Menge an gekauften Speisen zahlen muss, weil so viel erzeugte Ware erstmal weg geworfen wird, dann dürfen wir uns eigentlich nicht mehr beschweren.
Lasst uns lieber in unserem eigenen, beeinflussbaren Umfeld etwas dagegen tun, dass so viel Essbares entsorgt wird. Und wer eine super Idee hat, wie das auch auf Bundes-, Landes- und globaler Ebene geschehen kann: nächstes Jahr vergibt Herr Schmidt bestimmt noch einen Bundespreis. Vielleicht können wir mit unseren Bemühungen nicht nur unserem essbaren Müllberg, sondern auch dem Hunger auf dieser Erde ein Stück entgegenwirken.
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